Gerade (heute mittag, 13h) haben Achim und ich das erste Erdbeben unseres Lebens miterlebt – in Christchurch, der Stadt, die am 22.Februar diesen Jahres von einem Erdbeben der Stärke 6.3 in nur knapp 6km Tiefe erschüttert wurde. Die zwei nachfolgenden Beben waren 5.9 und 5.8 stark. Dabei sind nach bisherigen Kenntnissen 166 Menschen ums Leben gekommen, zahllose Häuser sind eingestürzt. Am schlimmsten hat es den teilweise historischen Stadtkern, das Central Business District, getroffen. Als wir vor zwei Tagen hier angekommen sind waren wir geschockt von den Ausmaßen der Zerstörung: das Zentrum ist bis heute eine Red Zone, die nicht betreten werden darf – es besteht noch Einsturzgefahr bei vielen Häusern, es ist noch unklar, ob bereits alle Opfer geborgen wurden. In den Wohngebieten stehen halb eingestürzte Häuser, über all sind die Abrissarbeiten noch lange nicht abgeschlossen und bis der Wiederaufbau wirklich beginnen kann werden wohl noch einige Monate vergehen.
Das Erdbeben vor einer Stunde haben wir in einem Café beim verspäteten Frühstück erlebt. Das Café ist bis zum letzten Platz voll, ein Haus aus der Zeit um 1900. Die Decke ist gestützt von Holzbalken, die teilweise grau verputzten Wände aus rotem Backstein werden von Kunst geschmückt, meistens Fotografien, die Abrissarbeiten an Häusern zeigen. Um 13Uhr schwanken die Wände plötzlich, der Boden …
In diesem Moment kam das zweite Erdbeben und hat mich beim Schreiben unterbrochen. Das erste Erdbeben ist mittlerweile schon dreieinhalb Stunden her, es ist gleich halb 5 und wir sind wieder im Hostel. Es gibt keinen Strom, kein fließendes Wasser, das Haus, ein altes Gefängnis, muss auf etwaige Schäden und Einsturzgefahr überprüft werden, da Risse an den Schornsteinen beim zweiten Beben entstanden sind. (Nur der hintere Teil ist möglicherweise unsicher, Eingangsbereich, Küche und Toiletten sind sicher!) Das war mit Stärke 6 und 8km Tiefe noch heftiger und einiges länger, als das erste Beben. Das CBD wurde evakuiert, die Straßen stadtauswärts sind voller Autos. In einem Gebäude im CBD sind vermutlich Mensche eingeschlossen. Seit dem heftigen Beben um 14.20h waren mehrere schwächere, der Boden hat merklich und unmerklich bisher wieder 11 mal gebebt. Heute vormittag waren schon 10 Beben, von denen wir nichts mitbekommen haben.
Im Moment sitzen wir im Gemeinschaftsbereich des Jailhouse Hostels und warten. Der Statiker ist gerade da. Uns geht es gut, wir geraten nicht in Panik und orientieren uns an den Kiwis die sowas schon öfter erlebt haben und sich zwar der Situation angemessen, aber auch recht gelassen verhalten.
Sehr bewegende Momente sind das hier gerade, in mehrfacher Hinsicht. Am meisten erschüttert hat mich eine Mutter, die sich blitzschnell ihren Säugling geschnappt hat und unter den Tisch gesprungen ist. Da wurde mir der Ernst der Lage ganz besonders bewusst.
Trotzdem: No Worries! Wir melden uns wieder…
Achim und Stella
News/Blogs’n Stuff:
Canterbury Quake Live
Stuff.co.nz
GeoNet
NewZealand Herald

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